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Mir tut alles weh, ich fühl mich durchgekaut, für ungenießbar befunden und wieder ausgespuckt.
Nein, ich weiß wirklich nicht, wie sehr psychosomatisch das ist, oh du mein lieblings Doof-Junge.
Vielleicht gar nicht mal so sehr. Freut dich das?
Vielleicht, wahrscheinlich, liegt’s auch nur dran, dass ich heute so lang im eiskalten Wind auf dich gewartet hab. Tat ich so gesehen ziemlich oft in letzter Zeit.
Nein, ich nehm’s dir wirklich nicht übel, also deine Entscheidung jetzt. Wie sollte ich das denn tun? Ich bin ja viel zu heilfroh, dass du dich endlich mal entschieden hast, ich meine auch für andere ersichtlich und nicht nur für dich und deine meistens sehr unnachvollziehbaren Gedankengänge in dieser Hinsicht.
Wirklich mal; ENDLICH.

Da kann man/frau sich endlich mal zusammenraffen, sich feministischen, beleidigten Romanen widmen (Man empfiehlt da „Der Club der Teufelinnen“ bis Seite 160 ist es jedenfalls noch sehr gut. In solch einer Situation jedenfalls. Vielleicht hätt ich das Buch vor wenigen Monaten als Mist abgestempelt. Bei manchen Büchern gibt’s halt eben das richtige Timing es zu lesen.),die angebrochene Flasche Wein nach und nach genießerisch und in der Überzeugung es sich jetzt wirklich verdient zu haben nach dem ganzen Mist, Abend für Abend mit einer Zigarette genüßlich in kleinen Portionen zu konsumieren und sich dabei geil vorkommen. Und Benjamin Biolay hören.
Also es ist ja wirklich SCHMALZIG, was der Kerl da produziert. Das kriegt man sogar ohne die geringsten Französischkenntnisse mit. Ist im Übrigen vermutlich auch besser es sich ohne sprachliches Verständnis anzuhören, jedenfalls wenn man nicht so scharf drauf ist den Abend mit hemmungslosem Heulen zu verbringen.

Benjamin Biolay ist auch so ein Phänomen: wann bitte hört man sich denn sonst französischen, musikalischen Schmalz, der noch nicht mal gesungen, sondern phlegmatisch vor sich hin gemurmelt wird, dermaßen exzessiv an? Das Timing, ja, es ist das Timing.
Bei uns war das wohl nicht da, oder lieblings Doof-Junge? Oder ungleichzeitig, was genauso blöd ist.
Nein, ich bereue wirklich nichts, wirklich gar nicht, das habe ich dir ja gesagt und ich hab es sehr ernst gemeint. Und ja es ist alles tausendmal (mindestens) ausgesprochen und eigentlich bin ich verdammt beeindruckt wie offen du mit mir gesprochen hast. Nein, ich halte dich trotzdem nicht für sonderlich reif. Ich will das nicht festmeißeln, aber ja, ich hab schon das Gefühl, dass ich dich anstoßen musste zu gewissen Dingen, die man mit gewisser Reife selber mitbekommt. („Hast du nicht grad deine Freundin betrogen? Ist das nicht auch schon Betrug? Hast du kein schlechtes Gewissen?“ „Hab ich? Ist das? Ääh .. ja, jetzt wo du’s sagst und ich so drüber nachdenke....“)
Du hattest echt keine Ahnung, was du wolltest, lieblings Doof-Junge. Du hattest keine Ahnung, was du hattest und was du wolltest und was du nicht wolltest. Wenn man den „Kopp“ nicht klar hat, zieht man sich erstmal zurück und verarbeitet alles, bevor man sich weiter in die selben Gefilde begibt; wer gab mir viel später diesen Rat, den du früher selber hättest berücksichtigen sollen?
Ja, ich weiß, es ist alles ausgesprochen und es reicht wirklich. Mich kotzt das ewige Aussprechen und das Gefühl, dass es damit irgendwie nicht getan ist, auch an, glaub mal.

Und – was ein Glück – du hast deine kurze Identitätskrise und Selbstfindungsphase überwunden!
Ja, sowas kann passieren nach so ’ner langen Beziehung, kein Ding. Kommt in den besten Familien vor. Nur schade, dass bei deinem Selbstfindungs-Trip mein Herz ein wenig drauf ging. Aber einer geht ja immer drauf.
Ist irgendwie gesetzlich geregelt sowas, oder nicht?

Ich bereue die Dinge nicht.
Nur waren sie so UNNÖTIG im Endeffekt. So erschwerend und .. na ja, wozu? Ich glaube nicht, dass du jemals irgendeine andere Entscheidung, als die, welche du jetzt gemacht, auch nur in Erwägung gezogen hast. Ja, ich tat es aber. Ja, es ist vorbei jetzt. Dich lieben könnte ich jetzt auch nicht mehr, es ist auch einfach so viel im Ungleichgewicht, eigentlich komplett alles.
Nein, ich gräme mich nicht. Ich glaube ich stelle wirklich nur fest. Einfach nur für mich. Nein, es sind hier wirklich keine Vorwürfe, es ist Feststellen, meiner Meinung, meines Empfindens, meiner Sichtweise. Ja, sicher ist es parteiisch. Das kann ich beim besten Willen nicht ändern.
„Ich möchte nicht die Ursache von Leid sein.“
Nein, wirklich, es gibt diplomatischere Aussagen.
Nicht, dass ich so etwas lieber hätte, als Ehrlichkeit, es ist auch nur ein Feststellen.

Mein Gott, ich bin plump direkt, oder? Vor allem unnötig. Hm, so gesehen ist dieser Text genau wie die Dinge, die passiert sind. Ich bereue es keinesfalls, es war nötig und richtig für den Moment, nur im Nachhinein steht man verdutzt davor und fragt sich wozu die Buchstaben hier rumliegen und welchen Zweck sie erfüllen, weil sie ja eigentlich keinen Zweck erfüllen sollen und können. Sind halt einfach da, haben eine Existenzberechtigung, lassen einen etwas erinnern und assoziieren, aber das war’s auch schon. Ja, jetzt könnte ich gut weinen.

Ich hab auch wirklich die meiste Zeit instinktiv nach irgendwelchen Synonymen gesucht, ich weiß gar nicht wieso, wenn ich über mein Innerstes sprach, oder geschrieben hab. Ich glaube hier tat ich es nicht.

Wenn die Flasche Wein leer ist, ist meine Heartsickness vorbei. ich verspreche es.
Vor allem mir selber verspreche ich es.
1.2.08 03:35
 


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